Tuesday, January 05, 2010

Hamed Abdel-Samad : Und es gibt ihn doch ...

Over de markante levensloop van de Duits-Egyptische auteur Hamed Abdel-Samad, een interessant artikel in Der Spiegel

Hieronder zijn tekst uit Der Tagesspiegel van 5 januari '10 :

Und es gibt ihn doch – den Islam!Spätestens nach dem vereitelten Attentat auf den Zeichner der Mohammed-Karikaturen, Kurt Westergaard, sollte den Europäern ein Licht aufgehen: Der radikale Islam ist auf dem Vormarsch.

Nach dem erfolglosen Klimagipfel in Kopenhagen will die dänische Hafenstadt nicht zur Ruhe kommen. Am Heiligabend waren 760 Wohnungen von Einbrechern verwüstet und ausgeraubt worden. Meine war eine davon. Aber das betrübte die lockere Stimmung kaum. Skaet er skaet, passiert ist passiert, kommentierte mein dänischer Nachbar, der auch beraubt wurde, die Ereignisse gelassen. Doch pünktlich zum neuen Jahr wurde die Stadt durch das vereitelte Attentat auf den 74-jährigen Karikaturisten Kurt Westergaard erschüttert. Mehr als vier Jahre nach den umstrittenen Mohammed-Karikaturen wollte ein 28-jähriger Somali mit Axt und Messer Rache üben.

Das Attentat erinnerte mich erneut an den Weihnachtsabend, aber diesmal nicht an die Raubserie, sondern an ein anderes vereiteltes Attentat – das auf ein amerikanisches Passagierflugzeug. Auch da war der Paradieskandidat ein Muslim mit schwarzafrikanischem Hintergrund.

Oft wird behauptet, der Westen gestalte die Globalisierung, die Asiaten gingen damit kreativ um, die Muslime seien reaktionär und die Afrikaner passiv. Wie schaut es nun mit denen aus, die Afrikaner und Muslime zugleich sind? Wie passiv sind sie? Über die Scharia in Nigeria, den Bürgerkrieg in Somalia und Darfur will ich gar nicht sprechen.

Ungeachtet dessen wird der afrikanische Islam nicht selten als Beweis für die Heterogenität und Anpassungsfähigkeit des Islam gepriesen. Er galt lange als Argument, dass es „den einen Islam“ nicht gibt. Selbstverständlich ist der Islam vielfältig in seinen Strömungen und Ausprägungen, und natürlich kann niemand behaupten, dass über eine Milliarde Muslime zwischen Indonesien und Marokko eine gleichgeschaltete Masse bilden – und dennoch kann man von einem Islam sprechen. Denn die Unterschiede mögen für Theologen, Ethnologen und Kunsthistoriker von Interesse sein, politisch gesehen sind sie ziemlich irrelevant. Wenn wir vom Islam reden, meinen wir nicht volkstümliche Erscheinungsbilder, sondern meist die politische Ideologie und die Geisteshaltung, die dem Glaubenssystem Islam entspringen. Es geht um den Islam, der den Westen als eine feindselige gleichgeschaltete Masse sieht und sich davon in jeder Form abgrenzt.

„Ich bin sicher, dass sich die gesamte somalische Gemeinschaft in Dänemark gegen diesen Anschlag auf Westergaard wendet“, sagte der Sprecher der Gemeinschaft, Mohammed Gelle; eine ziemlich gewagte Behauptung, wenn man bedenkt, dass 16 000 Somali in Dänemark leben. Aber es ist keine überraschende Stellungnahme für jemanden, der den Islam „eine Religion des Friedens“ nennt.

Wenn Muslime selbst vom Islam reden, im Zusammenhang etwa mit der Einführung von Islamunterricht an europäischen Schulen oder der Beantragung des Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, dürfen sie von einem einzigen Islam reden. Wenn Muslime von der „Religion des Friedens“ sprechen, sagen sie nicht, welchen Islam sie meinen. Wenn aber Islamkritik auftaucht, kommt ein Taschenspielertrick, um die Kritik abzuwürgen: Von welchem Islam reden Sie überhaupt?

Von welchem Alkohol reden wir, wenn wir sagen: „Viel Alkohol schadet der Gesundheit“? Ja, Alkohol wird zur Herstellung von Medizin oder zum Kochen verwendet, doch um diese Funktionen geht es nicht, wenn wir von den sozialen Auswirkungen des Alkohols sprechen. Ja, es gibt viele Sorten von Alkohol mit unterschiedlichen Wirkungen. Auf die Menge kommt es an, und genauso verhält es sich mit dem Islam. Hochprozentiger Islam in großen Mengen schadet dem Zusammenleben und hemmt die Integration, denn dieser Islam teilt die Welt in Freund und Feind, Gläubige und Ungläubige ein und duldet keine Identitäten neben sich. Es geht nicht um Muslime, die die spirituelle Seite des Islam betonen, sondern um diejenigen, die in jeder Alltagssituation zur Flasche der Dogmen greifen.

Drei Tage vor dem Attentat auf Westergaard saß ich im Büro von Flemming Rose, Kulturredakteur der dänischen Zeitung „Jyllands Posten“ und Urheber der Idee der Mohammed-Karikaturen. Die Karikaturen waren nicht Thema unseres Gesprächs. Ich erzählte ihm von einem auffälligen Phänomen, das meine Aufmerksamkeit weckte: Es ging um zahlreiche somalische Frauen, die voller Stolz mit ihren Kopftüchern in Kopenhagen herumlaufen. Das Muslimsein, das ihre afrikanische Identität offenbar annulliert hatte, scheint für sie die einzige Quelle des Selbstbewusstseins zu sein.

Häufig beklagen Afrikaner in Europa zunehmende Diskriminierung, nicht nur durch Autochthone, sondern auch durch Menschen mit Migrationshintergrund. Wenn sie sich aber zum Islam bekennen, steigen sie aus ihrer Sicht sozial auf, denn die Rasse wird damit durch die Religion ersetzt – und plötzlich werden sie als Brüder und Schwestern anerkannt. Manche übertreiben auch und entscheiden sich für den Terror als Kommunikationsstrategie, um ihre Zugehörigkeit zur Umma zu betonen, so wie der nigerianische und der somalische Attentäter.

Es ist keine Frage von Zentrum und Peripherie mehr. Egal ob in Kairo, Karatschi, Lagos, Jakarta, Berlin oder Kopenhagen: Der radikale Islam ist auf dem Vormarsch. Es geht nicht um das, was im Koran steht, sondern um die Haltung der meisten Muslime zu diesem Buch als dem letzten Wort Gottes und als ein Orakel, das man zu allem befragt. Alkohol ist nicht von Natur aus böse, er steigert nur die Stimmung, die bereits vorhanden ist, macht die Passiven passiver und die Aggressiven aggressiver. Und die Stimmung in der islamischen Welt scheint gegenwärtig mies zu sein. Diese islamische Welt ist aber nicht mehr die ferne exotische Welt hinter dem Meer. Sondern Muslime leben hier in Europa, haben Ansprüche und wollen sichtbarer werden. All das ist in Ordnung, aber zu welchen Konditionen?

Wie will Europa mit Menschen zusammenleben, die nicht dabei waren, als die Europäer die Regeln des Zusammenlebens festgelegt haben, und sich nicht verpflichtet fühlen, diese mitzutragen? Sagen wir skaet er skaet? Wird erneut die Rede von Einzeltätern sein, die den Islam entführt haben? Diskutieren wir weiter über die Heterogenität des Islam, bis die Debatte, wie immer, im Sand verläuft? Oder wird man endlich mit Muslimen über die Regeln des Zusammenlebens deutlicher und mutiger verhandeln müssen? Für mich hat nur ein „Islam Light“ in Europa eine Zukunft: Islam ohne Scharia, ohne Dschihad, ohne Geschlechter-Apartheid, ohne Missionierung und ohne Anspruchsmentalität.

Das berühmte Zitat des Rechtsphilosophen Ernst-Wolfgang Böckenförde „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“ wird gerne durch religiöse Institutionen so verstanden, als seien die Religionen die einzigen Lieferanten dieser Voraussetzungen als Erzeuger von Moral und Solidarität. Ich dagegen interpretiere Böckenfördes These so, dass jede Demokratie nicht nur von den Gesetzen, sondern auch von der Geisteshaltung der Menschen lebt, die diese Gesetze hervorgebracht haben. Viele zugewanderte Muslime in Europa befinden sich außerhalb dieses Konsenses, da sie die europäischen Erfahrungen, die diese Geisteshaltung zustande brachten, nie teilten. Sie halten ihre eigene Geisteshaltung für höher und moralischer. Auch darüber muss verhandelt werden.

Der Autor ist Politikwissenschaftler und Historiker an der Universität München und Autor des Buches „Mein Abschied vom Himmel. Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland“ (Fackelträger).



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 05.01.2010)

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Wednesday, December 02, 2009

Over perceptie en projectie

Voor de verandering nog eens een oproep aan de liberale moslim :

30-11-2009 - Martin Gehlen itv. Alaa Al-Aswani - die zeit


Der ägyptische Schriftsteller Alaa Al-Aswani sieht nach dem Minarett-Verbot in der Schweiz liberale Moslems gefordert. Sie müssten in Europa für ein anderes Islam-Bild werben.

Frage: Herr Aswani, die Schweizer haben per Referendum den Bau von Minaretten mit überraschend klarer Mehrheit verboten. Was bedeutet diese Entscheidung?

Alaa Al-Aswani: Ich bin nicht überrascht. Ich war erst kürzlich in der Schweiz zu einer Lesung. Es ist falsch, zu denken, die Hälfte der dortigen Bürger seien Rassisten. Sie haben vielmehr Angst vor einer Religion, von der sie praktisch nichts wissen, und die in den Medien nur noch in Verbindung gebracht wird mit Terrorismus und Bomben. Zudem wird das Bild des Islams in Europa sehr geprägt von der wahhabitischen Strömung aus Saudi-Arabien, die extrem engstirnig und aggressiv ist. Wir übrigen Muslime haben bei der Aufgabe versagt, das wirkliche Gesicht des Islams zu vermitteln, seine Toleranz und seine Offenheit.

Frage: Ist die Schweizer Entscheidung Indiz für wachsende anti-islamische Ressentiments?

Al-Aswani: Wir müssen diese Abstimmung sehr ernst nehmen. Die Schweiz ist ein multikulturelles Land im Herzen von Europa. Hier leben Menschen in vier Sprachen zusammen. Die Schweiz ist eine vorbildliche Demokratie. Insofern zeigt das Votum klar, wie die Menschen in Europa inzwischen denken. Was in der Schweiz geschehen ist, kann in jedem anderen Land passieren. Ich habe keinen Zweifel, in Deutschland hätten noch mehr Leute gegen Minarette gestimmt.

Frage: Was müssen die Muslime besser machen?

Al-Aswani: Man kann von niemandem in Europa erwarten, dass er sich in seinem Leben genaue Kenntnisse über den Islam aneignet. Wie der Islam in der Welt wahrgenommen wird, das ist primär unsere Verantwortung. Ich habe den Mufti von Ägypten vor Wochen aufgefordert, einen Professor für islamische Zivilisation in die Schweiz zu schicken, damit er den Menschen dort die Bedeutung des Minaretts erklärt. Minarett bedeutet in der arabischen Sprache "Ort des Lichtes", es ist kein Kriegssymbol und hat nichts mit Gewalt zu tun.

Frage: Was war die Reaktion des Muftis?

Al-Aswani: Nichts. Er hat einen Beobachter für das Referendum entsandt, der Mann traf am Sonntag in der Schweiz ein - sozusagen nach der Abstimmung. Zum Referendum gab es ein Plakat mit Minaretten als Raketen und mit einer Frau, die voll verschleiert ist. Wir müssen dem Schweizer Volk erklären, dass die Verschleierung von Frauen nichts mit dem Islam zu tun hat. Das sind Traditionen aus der Wüste. Der Islam hat Frauen niemals vorgeschrieben, ihr Gesicht zu verdecken.

Frage: Wie aber soll diese Aufklärung Europas konkret stattfinden? Muss es mehr Zentren für islamische Kultur geben, mehr Institute für interreligiösen Dialog?

Al-Aswani: Wenn das die arabischen Regierungen machen, wird daraus nichts. Sie sind viel zu bürokratisch und korrupt. Es gibt ja schon viele Moscheen und muslimische Zentren in Europa, aber die sind dominiert von wahhabitischen Strömungen und finanziert von saudischem Ölgeld. Wie heißt es so schön - wes Geld ich nehm, des Lied ich sing. Der moderate Islam aber ist der wirkliche Islam. Wir haben viel Arbeit vor uns. Wir können nicht erwarten, dass irgendwelche wohlmeinenden Europäer sich um das Image des Islams kümmern. Das müssen wir selbst tun, die Intellektuellen, die Nichtregierungsorganisationen und Einrichtungen wie die Al-Azhar-Universität in Kairo.

Frage: Was tut die Al-Azhar-Universität, über Jahrhunderte das einflussreichste Zentrum islamischer Gelehrsamkeit?

Al-Aswani: Entschieden zu wenig, die viel zu enge Verbindung von Al-Azhar mit der ägyptischen Regierung hat die Hochschule langsam und ineffizient gemacht. Im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert war sie ein Zentrum des offenen Islams, und Ägypten eine offene Gesellschaft. Bei uns gab es das erste Kino, die erste Frau im Parlament, wir hatten als erstes muslimisches Land das Frauenwahlrecht. Die große Wende kam Anfang der achtziger Jahre: Da hieß es plötzlich aus der saudischen Ecke, eine Frau als Schauspielerin oder Sängerin, das sei gegen die Religion. Heute gibt es in Ägypten 17 saudische TV-Kanäle, die jeden Tag diesen engstirnigen Islam propagieren. Wenn Sie vor 30 Jahren in Ägypten gesagt hätten, Frauen sollten ihr Gesicht verdecken, hätte man Sie ausgelacht.

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Moslims zijn te lichtgeraakt

Uit der Tagesspiegel van 30 november, verfrissend geluid in het Minarettendebat

30-11-2009 - HAMED ABDEL-SAMAD - tagesspiegel

In Europa wird ein Maulkorb schneller gefertigt als jedes Gegenargument. Ein Gastkommentar des Politikwissenschaftlers und Historikers Hamed Abdel-Samad.

Europas Auseinandersetzung mit dem Islam befindet sich noch im infantilen Zustand. Infantil sind ebenfalls die Anforderungen und Ambitionen vieler Euro-Muslime. Das jetzt häufig als überraschend bezeichnete Votum der Schweizer gegen den Bau von Minaretten kommt mir in keinster Weise überraschend vor. Es ist eine natürliche Folge des Auseinanderdriftens der politischen und der öffentlichen Meinung bezüglich des Islam in ganz Europa. Während weite Teile der europäischen Bevölkerung berechtigte Ängste vor dem Islam haben, sehen die meisten Politiker die jüngste abrahamitische Religion und deren Anhänger als Bestandteil Europas. Sie liefern ihrer Bevölkerung dafür aber keine schlagkräftigen Argumente.

Aus Angst oder aus politischem und wirtschaftlichem Kalkül wird eine Appeasementpolitik gegenüber dem Islam betrieben, während die Ängste der eigenen Bevölkerung aus der politischen Debatte ausgeblendet werden. Nur im Rahmen einer scheinheiligen Integrationsdebatte tauchen diese Bedenken verkleidet wieder auf. Jedem Politiker, der es wagt, sie offen zu thematisieren, wird sofort Populismus und Stimmungsmache vorgeworfen. Eine Anzeige der Grünen gegen den Betroffenen wegen Volksverhetzung lässt gewöhnlich nicht lange auf sich warten. Und so wird der Maulkorb schneller gefertigt als jedes Gegenargument. Ergebnis: Das Volk verhetzt sich selbst, und die Angst vor dem Islam schlägt in Ressentiments um.

Für Nietzsche entsteht ein Ressentiment aus dem subjektiven Gefühl, ständig ungerecht behandelt zu werden. Und so sieht er die Psychologie des Ressentiments als Selbstvergiftung durch eine unvollzogene, gehemmte Rache. Rachegedanken, die nicht ausgeführt werden, seien laut Nietzsche wie ein Fieberanfall, den man nie loswird. Diese Metapher erklärt sowohl die antieuropäischen Ressentiments seitens der Muslime als auch antiislamische Ressentiments seitens der Europäer. Beide sind Ergebnis eines jahrhundertealten Fieberanfalls, der sich durch Misstrauen, Unehrlichkeit und unvollzogene Wutausbrüche nährt.

Vor acht Jahren entschied sich ein wütender Moslem, seinen Rachegelüsten freien Lauf zu lassen und jagte die Twin Towers von New York in die Luft. Er hat den Ton angegeben und seitdem tanzen wir alle nach seiner Pfeife. Die dänische Zeitung „Jyllands Posten“ antwortete vier Jahre später und platzierte eine Bombe im Turban des Propheten. Aufgebrachte Moslems gingen auf die Straße und bewarfen westliche Botschaften mit Molotowcocktails, um den Vorwurf des Terrorismus von ihrem Propheten abzuwenden. Kurz danach warf der Papst in seiner Regensburger Rede dem Islam vor, unvernünftig und gewalttätig zu sein. Wiederum gingen Muslime, unvernünftig und gewalttätig, auf die Straße, um auch diesen Vorwurf zu entkräften.

„Jyllands Posten“ brach mit den Mohammed-Karikaturen ein Tabu und so verlor das Land seine Jungfräulichkeit. Nun scheint auch die Schweiz ihre Unschuld verloren zu haben. Dafür bin ich den beiden Ländern sehr dankbar. Diese beiden Vorgänge haben keine neue Realität geschaffen, sondern die Gemütslage beider Seiten deutlicher gemacht. Europa hat Angst vor dem Islam, und Moslems wissen nicht, wie sie darauf reagieren können. Die Maulkörbe, die die Muslime den Islamkritikern zu verpassen versuchten, bewirkten genau das Gegenteil. Die islamische Überempfindlichkeit gegenüber Kritik führte zur Entstehung einer verkrampften Streitkultur, wo deutliche Meinungen unerwünscht waren.

Nach dem 11. September begnügten sich die islamischen Gemeinschaften in Europa mit Lippenbekenntnissen zu der Demokratie und leisteten kaum Beitrag zur Aufklärung. Als wäre nichts passiert, forcierten sie den Bau von repräsentativen Moscheen weiter, ohne die örtliche Bevölkerung dafür reichlich zu sensibilisieren. Oft gingen sie mit der Brechstange in die Debatte und gingen auf die Ängste und Bedenken ihrer Nachbar nicht ein. Statt sich der Debatte zu stellen, sind die meisten Muslime in Europa mit sich selbst beschäftigt. Ihre unreflektierte Verteidigung des Islam und ihre nur zögerliche Distanzierung vom Terrorismus ließen die Angst und das Misstrauen der Europäer ihnen gegenüber wuchern.

Dänemark und die Schweiz haben ihre Jungfräulichkeit verloren, und das ist gut so. Die kleinen Staaten haben angefangen und bald werden die großen auch folgen. Auch wenn es vielen nicht passt, finde ich es besser, wenn die Menschen laut und deutlich sagen, wie sie denken und was sie empfinden. Erst dann kann man ihnen antworten.

Ich hoffe, Moslems in der Schweiz und überall auf der Welt werden dieses Mal anders reagieren und das Votum der Schweizer als Anlass für eine differenzierte Debatte ohne große Emotionen sehen. Ich hoffe ebenfalls, dass Schweizer und Europäer erkennen werden, dass der Baustopp von Minaretten oder Moscheen kein Beitrag zur Abwehr gegen den fundamentalistischen Islam sein kann. Denn wenn Ali mich mit einem Messer bedroht, hilft es überhaupt nicht, wenn ich seinem Kind den Spielball wegnehme!

Der Autor ist Politikwissenschaftler und Historiker an der Universität München und Autor des Buches „Mein Abschied vom Himmel. Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland“ (Fackelträger).

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Wednesday, November 25, 2009

De Beschavingsmachine

Ico Maly en zijn nieuwe boek De Beschavingsmachine. Promotionele Analyse. Getuige van het ware linkse geloof in Bildung und der gute Mensch. Voor de meerwaardezoeker...

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Tuesday, May 06, 2008

Re:Re:Spons : De Ziekte van de Islam


Illustratie Marijn Dionys

In het januarinummer van rekto:verso publiceerde ik, naar aanleiding van het laatste boek van Abdelwahab Meddeb en De Weg naar Mekka, het televisieprogramma van Jan Leyers, een fel besproken tekst over de culturele representatie van de islam. Diverse auteurs en specialisten voelden zich door mijn tekst uitgedaagd en namen de pen ter hand.

In het daaropvolgende nummer (maart 2008) presenteerde rekto:verso een uitgebreid dossier met teksten van Erwin Jans (Toneelhuis), Ico Maly (KifKif), Naima Charkaoui en Katleen De Ridder (Minderhedenforum) en van Lucas Catherine.

In het meinummer verschijnt nu mijn antwoord op die reacties. Lees het hier uncut.

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Tuesday, February 12, 2008

De lokroep van het essentialisme ?

Henk De Smaele, docent geschiedenis van de islam aan de Universiteit Antwerpen, gooit zich in het debat ontketend door het intussen beruchte opiniestuk van Barnard en van Istendael. Hij vindt dat zij, en ikzelf, intellectueel oneerlijk zijn omdat we het wezen van de islam bevragen. Als een inderdaad volleerde "postmoderne relativist" (of is het gewoon 'historicus' ?) betwijfelt hij of de islam ook maar één "transhistorische essentie" heeft.

Misschien kan ik de man een paar voetnoten aan de hand doen voor zijn cursus.

Als we 't erover eens zijn dat "transhistorische essentie" mag begrepen worden als "een doorheen de tijd onveranderlijk wezenskenmerk", dan is er vooreerst het feit dat de islam geboekstaafd staat - sinds de 7de eeuw - in de klassiek Arabische taal. Elke vertaling daarvan geldt als een oneigenlijk afschrift, en kan hooguit gezien worden als interpretatie van het onveranderlijke woord van God. Bovendien wordt de Koran in madrassas wereldwijd gememoriseerd en opgedreund in het Arabisch, ongeacht de taal van de moslim in kwestie.
Een andere eeuwige onveranderlijkheid is het feit dat de Koran niet zomaar in mensentaal is gesteld, maar in de taal van God. De Koran IS het woord van God, en staat als dusdanig buiten de tijd en buiten de gemeenschap.
Onveranderlijk, versteend en voor velen onverstaanbaar Arabisch, men kan zich voorstellen tot welk een Babylonische chaos dat aanleiding geeft.. Het is precies die 'multitude' van interpretaties en implementaties waarop de postmoderne relativisten zich volgens de letter van Derrida blindstaren...

Een andere belangrijk aspect schuilt in het feit dat niet zozeer de orthodoxie van tel is, dan wel de orthopraxie, de correcte applicatie van de leerstelling in het dagelijkse socio-politieke leven. Met andere woorden, dat er 'interpretaties' zijn van de leer, is in wezen minder belangrijk dan het feit dat elk van deze interpretaties van de aanhangers een onverkorte toepassing eist in de socio-politieke ruimte, en daartoe een complex stel aan leefregels, do's en don'ts ontwikkelt waartegen de praktijk ten allen tijde en in alle aspecten wordt afgewogen. Getuige daarvan de vele fatwa's die worden uitgesproken door de meest uiteenlopende zelfverklaarde autoriteiten, heel vaak ook online. (Voor de fijnproevers, zie bijvoorbeeld Fatwa-Online ). Het is verbazend dat De Smaele deze meta-beschouwing niet maakt. Maar dat is wel vaker een probleem : naarmate de horizon breder wordt, slaat de bijziendheid harder toe...

Bovendien, omtrent intellectuele oneerlijkheid, wil ik toch wijzen op het blijkbaar goddelijke vermogen van de 'contextualisten' om zonder enige moeite de 'slechte islam' te brandmerken als 'niet de goede'. Als er geen ijkpunt is, hoe doet men dat dan ? Hoe onderscheidt men het juiste van het verkeerde ? Misschien doet De Smaele, en met hem zijn volgelingen, er goed aan Ramadan te herlezen, die in de inleiding van zijn boek 'Westerse moslims en de toekomst van de islam' aangeeft : "Uitgaande van de boodschap van de islam en van zijn universele beginselen ben ik op zoek gegaan naar middelen die ons in staat stellen van binnenuit een hervormings- en integratiebeweging voor nieuwe leefmilieus in gang te zetten". (p.19). Ook voor hem is er dus blijkbaar een kern die moet gevrijwaard worden. Evenzo voor Meddeb, en de meeste andere 'hervormers' die ik ken, of ze nu uit salafistische, of liberalistische hoek komen.

De volgehouden ontkenning van een essentie speelt in het voordeel van de radicale krachten. Als men blijft weigeren om te bepalen wat wèl en wat niet tot de erfenis van de islam behoort, weigert men de criteria waarop de moslimgemeenschap haar eigen ontspoorde elementen kan terechtwijzen, weigert men die moslimgemeenschap zelfs de woorden en de begrippen om zich nog maar uit te drukken, weigert men die gemeenschap een identiteit en een platform. En waartoe dergelijke armoede kan voeren, dat zien we momenteel volop in de diaspora.

Aan weldenkend links : het is niet omdat men schrik heeft van God, dat men de duivel moet ontkennen.

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